KZ Majdanek

Das KZ Majdanek wurde im Oktober 1941 in Betrieb genommen und im Juli 1944 von der Roten Armee befreit. Insgesamt hatte das Lager eine Fläche von 516 Hektar. Insgesamt gab es auf dem Gelände 6 Felder mit Baracken für die Häftlinge. Das KZ war in verschiedene Bereiche eingeteilt: Schutzhaftlager, SS-Bereich, Wirtschaftskomplex, Todeszonen und Gefangenenkomplexe. Es hatte zudem verschiedene Funktionen: Konzentrationslager für Juden, Sammellager für billige Arbeitskräfte, Kriegsgefangene und Menschen aus der Lubliner Region. Mehr als 30 Nationalitäten waren vertreten. 

Die Gefangenen mussten unter katastrophalen Bedingungen leben. Aufgrund mangelnder sanitärer Anlagen und schlechter Lebensmittelversorgung gab es viele Krankheiten, die sich rasch ausbreiten konnten.

Ankunft im Lager

Der Weg ins Lager war lang und beschwerlich und die Zukunft ungewiss. Die Menschen kamen meist mit Transportern und Zügen. Häufig mussten sie den letzten Teil des Weges zu Fuß bewältigen. Einige haben das Konzentrationslager nicht lebend erreicht. Ursachen dafür waren neben der Kälte auch die SS-Leute, die die Menschen mit Peitschenhieben antrieben und bei Anzeichen von Schwäche zum Teil sogar erschossen.

Bei Ankunft im Lager wurden die Häftlinge nach Geschlechtern getrennt, und Kinder wurden ihren Müttern entrissen. Danach folgte dann die Selektion der Arbeitsfähigen von den Arbeitsunfähigen.

 

 

 

 

 


Nach der Selektion mussten die Ankömmlinge sich in den Baracken "Bad und Desinfektion" ausziehen, sich die Haare mit stumpfen Messern scheren lassen, was zu vielen Verletzungen führte und neben der Entwürdigung auch eine hygienische Perspektive hatte.

Anschließend folgte ein sogenanntes Desinfektionsbad, welches stark ätzend war und aufgrund der zuvor entstanden Wunden besonders schmerzhaft war. Danach mussten die Häftlinge duschen, wobei das Wasser ständig die Temperatur zwischen eiskalt und extrem heiß wechselte. Dabei standen sie unter permanenter Beobachtung durch SS-Leute, was bei vielen ein Unbehagen auslöste.

Nach dem Duschen bekamen sie ihre Kleidung zugeteilt. Männer erhielten den bekannten Pyjama, Frauen nur Lumpen und Kinder behielten häufig ihre eigenen Sachen. Danach wurden die Häftlinge auf die Baracken verteilt.

 

 

 

Lebensbedingungen

Die Lebensbedingungen im Lager waren alles andere als menschlich.

Es gab beispielsweise nur eine unzureichende Wasserversorgung, mangelnde Hygiene und viel zu wenig Essen.

 

 

Hygiene

Da die Häftlinge oft keinen anderen Ausweg aufgrund des Wassermangels beziehungsweise der schlechten hygienischen Verhältnisse, wuschen sie sich sogar mit ihrem morgendlichen "Kaffee". Duschen oder tägliches Waschen waren für die Häftlinge nicht vorstellbar, weshalb oft auch Epidemien und gefährliche Krankheiten im Lager wüteten, wie Gelbfieber. Da die SS-Ärzte meist nicht auf eine erfolgreiche Behandlung bedacht waren, wurden viele für medizinische Experimente missbraucht.

 

 

Essen

Die Insassen mussten lange Wartezeiten in Kauf nehmen, um Essen zu bekommen und selbst dann kam es vor, dass sie nichts mehr bekamen.

Wenn sie Essen erhielten, handelte es sich meist um einen Kaffee am Morgen, mittags eine einfache Suppe und abends ein bisschen Brot mit einem Löffel Marmelade, an guten Tagen auch eine Scheibe Wurst und Butter.


 

 

 

Unterbringung

In einer Baracke war viel zu wenig Platz für all die ganzen Menschen, die in ihr untergebracht wurden. Es kam vor, dass bis zu 1.000 Menschen in einer Baracke lebten. Sie schliefen auf mehrstöckigen Betten, oft mit drei oder mehr Häftlingen in einem Bett.

Da der Platz nur für 200 Insassen gedacht war, erkämpften sich viele einen Platz auf dem Boden. Uns hat es bei der Besichtigung sehr bewegt, die Betten in einer Baracke so eng aneinander stehend zu sehen und wir konnten uns nicht vorstellen, wie tausende Menschen dort früher lebten.

 

 

 

 

 

 

 

Eindrücke und Emotionen zur Schuhsammlung 

Wie viele Juden beim sogenannten „Erntefest“ grausam ermordet wurden, wurde uns noch einmal besonders bewusst, als wir eine ganz bestimmte Baracke besuchten. In der Baracke fanden wir riesige Metallkäfige vor, die mit den originalen Schuhen der Opfer gefüllt waren. Sogar der Ledergeruch lag immer noch in der Luft, das machte alle von uns sprachlos und schockierte uns zutiefst. In diesem Moment wurde vielen von uns noch einmal deutlich, dass das, wovon man zwar schon so viel gelesen und bearbeitet hat, tatsächlich passiert ist. Die Vorstellung und das Ausmaß der Vernichtung erschienen uns trotz dessen vollkommen absurd, obwohl die Schuhe zum Greifen nah waren. Die Mitarbeiterin, die mit uns die Führung gemacht hat, gab uns vorher den Ratschlag, dass wir uns das Schicksal von den einzelnen Opfern vorstellen sollten. Wem gehörte dieser Schuh? Was hatte diese Person an diesem Tag vor? Wo hat sie gearbeitet? Wie lange war sie schon im KZ? War ihre Familie auch hier? Diese Fragen haben in uns auch ein Gefühl der Betroffenheit ausgelöst und sorgten dafür, dass man sich das Leben und die einzelnen Menschen im KZ intensiver vorstellen konnte.

 

 

Ausstellung

Auf dem Grundstück des ehemaligen Konzentrationslagers Majdanek gab es viele Werkstattbaracken. Eine dieser Baracken ist noch heute erhalten und dient als Museum. In diesem sind zum Beispiel Kleidungsstücke, Briefe und Utensilien aus dem täglichen Leben ausgestellt. Wir konnten uns eigenständig im Museum die Ausstellung erkunden und uns über die Themengebiete informieren, die uns besonders interessierten.

Ein besonderes Ausstellungsexponat ist die große Schildkrötenskulptur. Diese ist das Werk eines Häftlings gewesen und sollte eine Aufforderung sein, im Lager so langsam wie möglich zu arbeiten, um ausreichend Kraft für den täglichen Kampf ums Überleben zu haben.

 

 

 

 

Tötungsmethoden

Bereits während des Projekttages sind wir auf die verschiedenen Tötungsmethoden im KZ eingegangen. Wir haben uns mit Vergasungen, Erschießungen, Prügelstrafen und Verbrennungen befasst – doch als wir dann ins Krematorium kamen und all die noch erhaltenen Verbrennungsöfen sahen, erschien uns der Gedanke, dass genau hier all die Leichen verbrannt wurden, surreal. Die Mitarbeiterin, die uns durch das KZ führte, informierte uns über den Ablauf bei den Verbrennungen. Ekel und Entsetzen stieg bei den meisten auf, als wir hörten, dass der Leiter des Krematoriums häufig die Hitze, die durch das Feuer in den Öfen entstand, für eine warme Dusche nutzte. 

 

 

Grabmal

Das Mausoleum haben wir im Anschluss besichtigt. Die Vorstellung, dass wir tatsächlich die Asche der verbrannten Juden vor uns hatten, war überwältigend. Wir gingen an diesem Tag mit einem bedrückendem Gefühl zurück zur Begegnungsstätte und als wir am nächsten Tag jeder eine Rose bekamen, um sie an einer beliebigen Stelle der Gedenkstätte zur Erinnerung abzulegen, wählten viele das Mausoleum oder die nahe gelegenen Exekutionsgräben aus.